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Hansajolle Flyt, Segelnummer 175, Baujahr 1964

 

 Foto: Sören Hese

 

  

Bild mit freundlicher Genehmigung von Ulf Sommerwerck und dem Freundeskreis klassischer Yachten

 

 

Die Hansajolle mit der Segelnummer 175, Baujahr 1964, verkümmerte in einem Schuppen in Husum und hatte seit anderthalb Jahren kein Wasser mehr gesehen. Im Segel prangte auch nur noch die Zahl 75, die eins war schon vorher abhanden gekommen. Wie sich hinterher herausstellte, wollte einer der Vorbesitzer nicht mit dem Schwulen- und Lesbenparagraphen §175 in Zusammenhang gebracht werden und hatte die 1 aus dem Segel getrennt.

 

So wurde im Oktober 2010 mein Traum wahr, Eigner einer Hansajolle zu werden! Wie bei vielen anderen begann das Ganze mit der Lektüre eines Buches. Wilfried Erdmann besegelte in seiner Erzählung „Ein deutscher Segelsommer“ mit seiner Kathena Gunilla die Ostsee und nahm mich in Gedanken mit. Über seinen Bericht bin ich überhaupt erst auf die Hansajolle aufmerksam geworden und habe im Internet nachgeforscht. Schon mit den ersten gefundenen Bildern war mir klar, dass ich so ein schönes Boot gerne einmal selber segeln möchte.

 

Die Hansajolle ist für mich das ideale Boot, da es mit seinen Abmessungen noch so gerade auf den Aasee in Münster passt, aber durchaus das Potenzial hat, auch mal in Küstennähe in Nord- und Ostsee zu segeln. So kann ich nach Feierabend auf dem Weg nach Hause noch schnell eine Runde drehen und trotzdem die Auszeit im Sommer in größeren Revieren auf dem eigenen Boot verbringen.

 

Monatelang habe ich im Netz gestöbert, den Gebrauchtbootmarkt abgeklappert und immer neue Seiten mit Eignern von Hansajollen gefunden. Im Sommer konnte ich auf einer Hansajolle im Baldeneysee in Essen selber mit segeln. Das Ergebnis der ganzen Suche war die Einsicht: Viel Arbeit, viel Geld, aber auch viel Spaß.

 

Durch die Unterstützung meines Vaters konnte ich mich dann auf die Suche nach einer Hansajolle machen. Durch Zufall  habe ich innerhalb einer Woche mein Traumboot gefunden. Genau vor zwei Jahren kam das Boot das erste Mal ins Aaseewasser. Was dann geschah, wurde mir von anderen Holzbootbesitzern zwar angekündigt, ich hatte es aber nicht ganz glauben können. Ich schaffte den Weg vom Kran zum neuen Liegeplatz zwar aus eigener Kraft, bekam aber sofort nasse Füße. Durch das lange Austrocknen des Rumpfes war dieser überall löchrig und ließ an allen Ecken und Enden Wasser durch. Manch spöttischer Kommentar, aber auch besorgte Nachfragen andere Club-Segler schallten über den Steg. Halb versunken brauchte mein Boot zwei Wochen, um wieder dichtzuquellen. Diese Prozedur sollte sich nun jedes Frühjahr wiederholen, wenn das Boot zu Wasser gelassen wird. Gut, dass ich vorher nicht wusste, was an Arbeit und Pflege bei einem Holzboot auf mich zukam. Aber es macht riesigen Spaß, wieder mit den eigenen Händen etwas zu schaffen. Es gibt doch nichts schöneres, als über ein frisch lackiertes Stück Holz zu fühlen! Die „Holzwurmarbeit“ ist der perfekte Ausgleich zur alltäglichen Kopfarbeit im Job. Ohne meine Eltern wäre dies mit Sicherheit ein längerer Traum geblieben.